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Autor Thema: Aus Korrgrims Vergangenheit - Östliche Kluft vor rund 100 Jahren  (Gelesen 1259 mal)

Offline Sebastian

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Östliche Kluft, oberhalb des südlichen Unterreichs, vor rund 100 Jahren

An normalen Tagen war der Marktplatz der hiesigen Oberflächensiedlung ein beschaulicher Ort, an dem Beryll unbedrängt ihre Einkäufe erledigen konnte. Heute hingegen war keiner dieser Tage, denn heute war „großer Markttag" und an einem solchen tummelten sich hier nicht nur die Einheimischen, sondern auch auswärtige Kunden, fahrende Händler, Schausteller und eine Schar kauf- und vergnügungssüchtigen Gesindels. An solchen Tagen mieden anständige Frauen den Markt und deshalb hatte Beryll ihre Einkäufe zuvor erledigt, lange bevor die dubiosen, auswärtigen Marktbesucher in ihre friedliche Siedlung eingefallen waren. Beryll hätte heute nicht hier sein dürfen, doch sie war es gleichwohl … und sie hoffte, dass dies keine andere ehrbare Frau bemerken würde. Sie schämte sich … sowohl für ihre Anwesenheit, als auch für das, was sie heute hier tun würde …, ohne dass sie die Scham von ihrem Vorhaben abbringen konnte. Nervös blickte sie sich immer wieder um, als sie sich durch das bunte Treiben der Marktbesucher drängte. Wenn der jungen Zwergen-Frau die Unschuld nicht von jeher ins Gesicht geschrieben gewesen wäre, hätten die Gardisten sie glatt für einen ängstlichen Taschendieb halten können. Beim Gedanken an „Langfinger“ umklammerte Beryll ihren Geldbeutel fester, denn heute hatte sie deutlich mehr Gold bei sich, als dies gewöhnlich der Fall war. Fast war sie deshalb erleichtert, als sie endlich den Ort erreichte, den sie angesteuert hatte. Eine Nachbarin hatte ihr (beim gemeinsamen Tratschen) belustigt von dem großen blauen Zelt und seinen - aus ihrer Sicht -  „erbärmlichen“ Besuchern berichtet. Nun war es Beryll, die mit ihrem skandalösen Ansinnen in das Zelt hinein huschte. Als sie den Vorhang am Eingang beiseitegeschoben hatte, war ihr ein Gemisch aus exotischen Gerüchen entgegengeschlagen. Fremdländische Kräuter hingen in Bündeln vom Gestänge des Zeltes und bunte Teppiche zierten den Boden und die Zeltwände. An einer Art Markstand, der sich in der Mitte des Zeltes befand, gab es eine Auslage, die aus Phiolen und Tiegeln in jeder Form und Farbe bestand. Hinter dem Stand sah sie eine große, viel zu mager wirkende Frau mit langen, schwarzlockigen Haaren, aus denen spitze Ohren herausragten. Ihre vielfarbigen, wallenden Gewänder und der viel zu tiefe Ausschnitt ihrer Bluse, ließen bereits auf den ersten Blick die Bürgerlichkeit vermissen, der Beryll entstammte.

„Willkommen …!“, rief die Elfen-Frau ihr mit einer ausladenden Geste und in einem unangemessen lauten Tonfall zu. „Was kann ich für dich tun? Oder … hast du dich nur verlaufen?“ Die Frau lachte und obwohl das Lachen nach Lebensfreude klang, fragte sich Beryll, ob sie gerade auslacht wurde?

„Seid Ihr … eine …“, Beryll zögerte, beschämt ob ihrer eigenen Unverblümtheit, „… Hexe?“

Schallendes Gelächter ersetzte eine Antwort auf ihre Frage, die die Elfe scheinbar nicht beleidigt hatte. „Wieso fragst du? … Suchst du vielleicht eine … Hexe?“ Die Frau lächelte amüsiert und wies auf einen Schemel vor ihrem Markstand. „Bitte, setz dich zu mir …“

Beryll kam näher und tat wie ihr geheißen. Erst jetzt merkte sie, dass sie noch immer ihren Geldbeutel umklammerte und auch sonst vor Anspannung eine verkrampfte Haltung angenommen hatte. Als sie Scham angesichts dieser Tatsache empfand, schien die Frau ihre Gedanken lesen zu können. „Entspanne dich …, Mädchen. Ich beiße nicht.“

„Ich bin kein Mädchen!“, erwiderte Beryll schnippisch. „Ich bin eine Frau!“

„Und eine kleine Wildkatze, wie mir scheint …“, kommentierte die Frau in Anerkennung von Berylls Kampfgeist und ignorierte dabei belustigt die offensichtliche Verärgerung der Zwergin. Gleichzeitig strahlte die Frau dabei ein Maß an Selbstsicherheit aus, das Beryll beneidenswert fand, aber das sie auch rasend machte.

„Was führt dich zu mir?“, kam ihre Gastgeberin auf den Punkt. „Lass mich raten: Du bist … verliebt? … Und dein Angebeteter beachtet dich nicht … und nun willst du … deinem Liebesglück ein wenig auf die Sprünge helfen …, stimmt‘s?“

„Nein! Ich bin eine verheiratete Frau! …“

„Oh … gratuliere!“

„… und ich würde niemals einem Mann hinterherlaufen, der mich nicht will!“

„Kluges Mädchen … !“

„Frau!“

„Wie auch immer …“. Die vermeintliche Hexe winkte ab. „Weiß dein Mann, dass du hier bist?
Beryll sah sie schweigend an und wusste nicht, was sie sagen sollte.
„Also nicht. Keine Sorge, mir ist das gleich. Lass uns lieber zu dem zurückkommen, was du willst? Vielleicht … ist dein Mann … grob zu dir? … Und jetzt willst du ihm eine Lektion erteilen?“

„Nein! Mitnichten! Mein Gatte ist ein braver Ehemann …“, beteuerte Beryll entrüstet.

„Also ein Langweiler …, richtig?“ Bevor Beryll dieser infamen Unterstellung widersprechen konnte, spekulierte das Frauenzimmer weiter: „Fehlt es ihm vielleicht an Leidenschaft … oder Standhaftigkeit …, um seinen ehelichen Pflichten zu deiner Zufriedenheit nachzukommen und nun willst du …“

„Um Himmels Willen, nein!“, unterbrach sie Beryll energisch. „Es ist alles in Ordnung mit ihm.“

„Ist das so? Wieso bist du dann hier? Was plagt dich so sehr …, dass du dich dazu herablässt, mich aufzusuchen?“

Beryll schaute betreten zu Boden. Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort, ohne dabei aufzusehen: „Wir sind schon einige Jahre verheiratet und …“

„… ihr könnt keine Kinder bekommen?“

Erschrocken blickte Beryll nun auf und starrte die Hexe mit weit aufgerissenen Augen an, als wäre sie bei etwas Ungeheuerlichem von ihr ertappt worden. Dann senkte sie ihren Blick wieder und nickte beschämt.

„Wie klassisch! Du würdest dich wundern, wie oft ich das höre?“

„Könnt Ihr … mir helfen? Oder könnt Ihr es nicht?“ Jetzt war es Beryll, deren Ton streng klang. Sie wollte kein Mitleid von dieser Dahergelaufenen. Sie würde sich hier nicht weiter erniedrigen und die Gesellschaft dieser impertinenten Person ertragen, wenn ohnehin alles hoffnungslos war?

„Du stellst die falschen Fragen!“, behauptete die Elfe vielsagend.

„Ach ja? Und was wäre eurer Meinung nach die richtige Frage?“

„Wie hoch der Preis für das ist, was du willst?“

„Ich habe Gold …“

„Wie schön. Aber das meine ich nicht.“ Die Frau fixierte Beryll nun und schaute ihr sekundenlang tief in die Augen, als glaubte sie dort etwas zu finden. „Alles im Leben hat einen Preis. Manchmal bezahlen wir ihn mit Gold. Manchmal bezahlen wir ihn mit Schmerz. Und manchmal … bezahlt ihn ein anderer.“

„Das verstehe ich nicht ...“

„Genau das befürchte ich.“ Erst jetzt hörte die Elfe auf, sie anzustarren und lehnte sich zurück. „Vielleicht solltest du gehen.“

„Ihr wollt mir nicht helfen?“

„Vielleicht helfe ich dir ja am meisten, wenn ich dich wegschicke?“

„Das ist doch Unsinn!“ Beryll verbarg nicht länger, verärgert zu sein. „Wenn Ihr mir nicht helfen könnt, dann sagt es frei heraus und erfindet nicht irgendwelche Ammenmärchen!“

„Wer sagt, dass ich dir nicht helfen kann? Ich müsste dich untersuchen, um das beurteilen zu können …“

„Dann fangt an damit. Helft mir und das hier gehört euch!“ Beryll nahm ihren Geldbeutel vom Gürtel und ließ ihn theatralisch auf den Marktstand fallen. „Es ist nicht viel, aber es müsste reichen … für Zauber dieser Art.“ Beryll hatte natürlich keine Ahnung, was Zauber „dieser Art“ kosteten, aber ihre Feststellung hatte sich für sie überzeugend angehört.
Die Frau würdigte den Beutel keines Blickes, ganz so, als interessiere sie Gold gar nicht …, was natürlich unmöglich wahr sein konnte, dachte Beryll. 

„Nun gut. Wie du meinst.“ Die Worte der Hexe klangen fast wie eine Drohung, als sie Beryll gründlich zu untersuchen begann. Nachdem sie sie (unziemlich gründlich) abgetastet und ihr eine Reihe von persönlichen Fragen gestellt hatte, holte sie einen Beutel mit übelriechenden Kräutern, zermahlte diese in einer Schale und ließ Beryll darauf spucken, worauf die zerstoßenen Kräuter zu Berylls Überraschung zischend vergingen. Schließlich setzte sich die Hexe wieder und lächelte Beryll mitleidig an.

„Und? Was habt Ihr mir zu sagen?“ Beryll hoffte, sich ihre Angst vor der Antwort auf ihre Frage nicht anmerken zu lassen.   

„Ich bedaure, meine Liebe, aber ich fürchte, du hast Recht gehabt: Es war kein Zufall, dass du keine Kinder bekommen hast. Dein Schoß ist so unfruchtbar wie ein cormyrischer Steingarten.“

Die unverblümte Feststellung traf sie wie ein Faustschlag auf den solar plexus. Beryll brauchte einen Moment, um sich zu fassen. „Seid Ihr … euch sicher?“ Diesmal kannte Beryll die Antwort schon vorher.

„Ganz sicher!“

Beryll nickte niedergeschlagen. Alles war verloren, schoss es ihr durch den Kopf. Sie konnte ihrem Mann keine Kinder schenken. An ihr als Gattin festzuhalten, würde bedeuten, von ihm zu verlangen, seinen Familiennamen aussterben zu lassen ... oder zumindest seine Linie der Familie sehenden Auges zu beenden. Zu was für eine Ehefrau machte sie das? Zu was für eine Frau überhaupt macht es sie, wenn sie unfähig war zu tun, was ihr Geschlecht maßgeblich ausmachte … und was die Bestimmung einer guten Ehefrau war? Sie merkte aufkommende Tränen, die sie nur mit Mühen niederkämpfen konnte.

„Kopf hoch, Kindchen! Das hat auch sein Gutes: Du kannst dich gefahrlos vergnügen …, so viel du willst … und mit wem du willst ..., ohne jemals fürchten zu müssen …“

„Kann man etwas daran … ändern? Ich meine …, gibt es … Hoffnung?“

„Ohne meine Hilfe? … Auf gar keinen Fall!“

„Und mit eurer Hilfe?“

Nun grinste die Elfe verschmitzt. „Töchter sind ausgeschlossen, dazu reicht es bei dir in keinem Fall ..., einen Sohn könnte ich dir garantieren, wenn du dir von mir helfen lässt, … vielleicht zwei ..., wenn du dich geschickt anstellst …“

„Zwei Söhne …“, stammelte Beryll ungläubig. „Dann … tut es! Was immer Ihr dazu tun müsst …, macht es! Worauf wartet Ihr?“

„Nicht so schnell, Kleines. Ich kann dich gut leiden und bin gewillt, dir zu helfen …, aber nur unter einer Bedingung …“

„Mehr Geld? Ist es das was Ihr wollt?“ Beryll hätte alles bezahlt, was die Elfe verlangen würde und sie fürchtete, dass dieser das durchaus bewusst war. Andererseits fiel ihr jetzt auf, dass die Hexe noch immer nicht in den Geldbeutel mit ihrer Belohnung hineingeguckt hatte.

„Nein …, das ist keine Frage des Geldes …, vielmehr eine Frage der Diskretion!“

„Ich verstehe kein Wort …!?“

„Du musst schwören zu schweigen, Dummerchen! Niemand darf je erfahren, dass du bei mir warst, dass ich dir geholfen habe … und wie ich dir geholfen habe! Nicht dein Mann …, nicht deine Freundinnen …, nicht deine Söhne! Niemand! Niemals! Du musst das Geheimnis mit ins Grab nehmen!“

„Soll das ein Scherz sein?“

„Ganz und gar nicht!“

„Ich versinke fast im Boden vor Scham überhaupt hier zu sein … und Ihr glaubt, ich werde jemandem davon erzählen? Ganz bestimmt werde ich mich nicht noch mehr beschämen, indem ich gegenüber anderen eingestehe, dass ich auf eure Hilfe angewiesen war. Um dies für mich zu behalten bedarf es keines Schwurs, das gebietet bereits meine Selbstachtung!“

„Schön zu hören …, ich fürchte aber, ich muss trotzdem darauf bestehen!“

„Nun gut, wie Ihr wollt: Ich schwöre niemals jemandem etwas über eure Hilfe ... und wie diese aussah, zu verraten …, das schwöre ich bei meiner Ehre und bei den Göttern …“

„… und der unsterblichen Seele von dir und deinen zukünftigen Kindern!“

„Wenn es sein muss, auch das! Ich schwöre es! So, reicht das jetzt? Helft Ihr mir jetzt endlich?“

„In Ordnung. Warte hier!“  Die Frau ging in den hinteren Bereich ihres Zeltes. Mit einem Schlüssel öffnete sie das Schloss einer Truhe, klappte diese auf und entnahm ihr eine elegant geschwungene Phiole. Als sie zurückkam, überreichte sie diese Beryll vorsichtig. Die Zwergin erkannte nun in der Phiole eine klare Flüssigkeit. Diese stand kaum mehr als einen Zentimeter hoch in dem Fläschchen.

„In wenigen Wochen wird ein gewaltiger Sturm über das Land hereinbrechen. Du wirst ihn erkennen, wenn er kommt, glaube mir, Schätzchen. In genau dieser Nacht, wenn der Sturm in eurer Siedlung wütet, musst du das hier trinken. Das wird deinen Schoss in eine satte, fruchtbare Weide verwandeln …, zumindest für kurze Zeit. Aber merke dir: Nur während des Sturmes, von dem ich gesprochen habe, kannst du dein erstes Kind empfangen … und auch das nur dann, wenn dein Mann dir unter freiem Himmel beiwohnt … oder ihr es zumindest bei offenem Fenster tut. Denn du musst bei eurem Akt in jedem Fall dem Wind des Sturms ausgesetzt sein! Ansonsten ist alles vergebens! Verstehst du das?“

Beryll verstand nicht, warum sie diese seltsamen Anweisungen befolgen musste, … aber sie würde es tun und kein Risiko eingehen, deshalb nickte sie eifrig.

„Dieses Fläschchen ist das letzte seiner Art. Verpatze es also nicht! Wenn du es nicht richtig verwendest …, wenn du nicht exakt das tust, was ich sage …, wird es keine zweite Chance für dich geben …“

„Keine Sorge! Ich werde mich penibel an eure Anweisungen halten! Das versichere ich euch.“ Beryll besah sich den Inhalt der Phiole, der so unspektakulär wirkte, dass sie befürchtete, die Hexe könnte sie betrogen haben …, auch wenn sie ihr unbedingt glauben wollte. „Was ist denn da drin? Es sieht aus wie … gewöhnliches Wasser …“

„Oh, es ist Wasser …, aber weißgott kein … „gewöhnliches“! …“ Die Hexe, die bislang so souverän und gelassen gewirkt hatte, strahlte nun aufgekratzt, fast schon euphorisch. „Tatsächlich handelt es sich dabei um ganz besonderes Regenwasser. Es stammt aus einem legendären, anhaltenden Sturm, der während der Teilung das Meer der Gefallenen Sterne bedeckte, den Himmel verdunkelte und gewaltige Überschwemmungen verursachte. Tausende ertranken oder starben durch Blitzschläge oder Windstöße, die wie Faustschläge wirkten und Schiffe zum Kentern brachten …“.

„Ihr sprecht von dem, was der „Großen Regen“ genannt wird …?“

„Richtig! Du hast davon gehört? Ich wusste ja gar nicht, dass ich mit einer Gelehrten spreche …?“

„Ich bin keine Gelehrte …, nur gebildet. Aber Ihr scheint euch deutlich besser mit diesem Thema auszukennen?“

„Das will ich meinen …“

„Dann sagt mir, wie es sein kann, dass dieses Regenwasser eine so außergewöhnliche Wirkung entfaltet, wie ich sie benötige?“

Die Hexe schüttelte ungeduldig mit dem Kopf. „Es ist doch nicht das Wasser allein! In der Phiole ist auch der Wind des Sturmes des Großen Regens. Nur dieser Wind und das Wasser zusammen bringen den Effekt, den du erzielen willst. Also öffne die Phiole auf gar keinen Fall, bevor du aus ihr trinken musst, sonst entweicht er … und du bleibst für immer kinderlos. Verstanden?“

„Natürlich“, versicherte Beryll und die Hexe nickte ihr zufrieden zu.

„Hast du noch Fragen?“

„Ihr sagtet vorhin, dass das erste Kind während des Sturmes … gemacht … werden muss und dass das Fenster dabei offen sein muss?“

„Ganz recht!“

„Was ist mit dem zweiten Kind? Was muss ich bei dessen … Zeugung … beachten?“

Die Hexe winkte lächelnd ab. „Nichts! Da ist alles wie immer.“
 
„Wie kann das sein?“

„Das ist sehr simpel: Dein erster Sohn macht sozusagen den Weg frei für deinen Zweiten. Er braucht den Sturm … damit dieser quasi … die Flut in den Hafen deines Schoßes hineinweht. Wenn hierdurch in deinem "Hafen" das Wasser erst einmal steht, … dann kann … das „zweite Schiff“ normal "einlaufen" …, wenn du verstehst, was ich meine?“ Sie schenkte Beryll ein joviales Grinsen, welches der Zwergin unangenehm war.

„Und wann … kommt die „Ebbe“ und … legt den Hafen wieder … trocken?“

„Sagen wir es mal so …, du solltest deinen Mann innerhalb eines Tages nach Einnahme des Inhalts der Phiole erneut glücklich machen, wenn du ein weiteres Kind wünscht ...“

„Innerhalb eines Tages? Aber wie kann ich denn gleichzeitig mit 2 Söhnen schwanger sein?“

„Bist du wirklich so naiv? Zwillinge, Schätzchen! Was sonst?“

„Ich dachte immer, die müsste man … auf einmal … machen?“

„Falsch gedacht!“
     
„Wenn Ihr das sagt …!?“, meinte Beryll und seufzte. „Eine letzte Frage noch …, Ihr erwähntet etwas von einem "Preis" jenseits des Goldes, der bezahlt werden müsse. Was meintet Ihr damit?“

„Wieso? Habe ich dir etwa Angst gemacht?“

„Nicht genug, um mich umstimmen. Aber … ich will es trotzdem wissen. Meine Kinder …, sie werden doch … gesund sein, oder?“

„Ganz ohne Zweifel!“ Die Frau lachte, als wäre allein die Frage bereits lächerlich.

„Aber irgendwas verschweigt Ihr mir. Was ist es?“

Das Lachen der Frau erstarb, als sie bedeutungsschwer sagte: „Das erste Kind …, es wird … besonders … sein. Denn es wird zwar dein Kind sein … und das deines Mannes, … aber es wird auch das Kind des Sturmes sein. Die Natur des Sturms wird ein untrennbarer Bestandteil seines Wesens sein. Brave Bürger sollten sich gut überlegen, ob sie ein solches Kind wollen ...“ Es war die unausgesprochene letzte Möglichkeit für Beryll, einen „Rückzieher“ zu machen.

„Wenn ich zwischen einem wilden Kind und gar keinem Kind wählen kann …, dann wähle ich den Wildfang … !“

„Das dachte ich mir. Wenn es dich tröstet: Dein zweiter Sohn wird „die Ruhe nach dem Sturm“ werden, denn auf ihn wird das Elixier keinen Einfluss haben …“

„Bei euch klingt das so, als müsste ich das erste Kind in Kauf nehmen, um das zweite zu erhalten?“

„Wenn du es so ausdrücken willst …?“

„Ich versichere euch, das ist nicht meine Sichtweise … Ich werde alle meine Söhne gleichermaßen lieben, ganz gleich, was Ihr sagt!“ Berylls Entschlossenheit ließ keinen Widerspruch zu.

„Das kannst du halten, wie du willst. Ich wünsche dir in jedem Falle Glück …, du kannst es gebrauchen!“

Beryll ignorierte die letzte Bemerkung, verabschiedete sich und verließ das Zelt mit der Phiole so schnell sie konnte, ohne sich noch einmal umzudrehen. Die vermeintliche Hexe sah der Zwergin nach ihrem Verschwinden noch lange nach, bevor sie den Eingang des Zeltes verschloss, indem sie ihn zuknüpfte. Erst dann wendete sie sich wieder dem Zeltinneren zu und fragte scheinbar ins Nichts hinein: „Na, zufrieden?“

Wind, der nach den Gesetzen der Physik nicht hier hätte sein dürfen, fegte nun über den Boden ihres Zeltes, bündelte sich in einer kleinen Windhose, erhob sich dann zu ihr auf Augenhöhe und verdichtete sich zu einem wirbelnden Luftelementar. „Du scheinst es zu sein … aber ihr Sterblichen seid für mich schwer einzuschätzen …“ Die Stimme des Elementars klang rauchig und emotionslos.

„Für ein unsterbliches Wesen bist du ganz schön begriffsstutzig“, erwiderte die Elfe, die in Wirklichkeit eine Fee war. „Du kannst zu deinem Meister zurückkehren und ihm mitteilen, dass mein Lord unseren Teil der Abmachung eingehalten und eine Mutter für den „Nachkommen“ gefunden hat. Jetzt seid ihr an der Reihe …“

„Mein Herr wird sehr zufrieden sein zu hören, dass alles nach Plan verläuft …“
« Letzte Änderung: 12. Februar 2022, 20:41:25 von Sebastian »
"There is not always a silver lining behind dark and stormy clouds. Sometimes the things behind are much worse."