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« am: 15. April 2022, 17:26:22 »
Weyog Jesk Sultair
Das Ende des Giftfangs, vergebene Chancen, ein Schicksal des glorreichen Drachens.
Burg Cragmore, die Kultisten, die Aschezombies und das zurückhaltende Wesen des Druiden waren Themen, die Magnus nicht erreichten. Jedenfalls hoffte er, dass die Gruppe mit wachenden Blicken und aufmerksamen Gehör‘ alles aufnahmen, was von Belang war. Der Magier, der in schwarzem Leder, seinen Dienst Tat, war gefangen. Gefangen in einem Tunnelblick, der ihn nur eines vor Augen hielt. Der grüne, erhabene und anmutige Drache Giftfang, oder Weyog Jesk auf Drakonisch.
Die Helden Phandalins, so nannte er sie und zählte sich nie dazu, setzten ihren Plan um. Zuerst galt es die Ruinen um den Hort des Drachen weitestgehend zu bereinigen. Aschezombies, lethargische Wesen, die dahinsiechend im Schatten der Mittagssonne vegetierten, versperrten der Gruppe den Weg zum Lager der Kultisten Tiamaths. Nur durch Geschick und dem Plan gelang es der Gruppe an das Lager der Kultisten heranzupirschen. Doch vor Ort wechselten sie von Lautlosigkeit zum unüberhörbaren Tosen und Krachen eines Barbarens, der die Tür zum Lager eintrat und die Gruppe, samt Magnus die Kultisten stellten. Einer, bedroht und die Waffe niederlegend, stand im Angesicht der tödlichen Klinge des Drachentöters. Jener letzter Kultist sollte der Gruppe wichtige Aufschlüsse über den bevorstehenden Kampf mit dem Drachen liefern. Doch Orthum, ein Gläubiger und Verfechter seines Gottes trieb zu aller Verwunderung die Axt in das wehrlose Opfer. Magnus wusste nicht, ob es entweder Orthums Gott gefiel, oder missfiel.
Doch zum Glück der Gruppe wurden wichtige Aufzeichnungen gefunden, woraus Magnus die wichtigsten Informationen bezog. Den Namen, die Gattung und das Alter des Drachens. Aber auch Beobachtungen weit im Osten des Landes hielt er fest und auch die Tatsache, dass das Land um Niewinter von diversen Drachen heimgesucht wurden. In der Nähe von Connyberry, so besagten die Schriften, sollte die Gruppe früher oder später den Leichnam eines roten Drachen finden. Jener Drache wurde Opfer von vermeintlichen territorialen Auseinandersetzungen mit einem schwarzen, älteren Drachen. Ein Punkt, wo Magnus, seine Studien fortführen könnte. Denn zum Zeitpunkt des Niederschreibens jener Informationen wusste Magnus nicht welches Schicksal Giftfang ereilen sollte.
Durch den Lärm, den die Gruppe beim Säubern des Kultistenlagers verursachte, weckte sie die Aschezombies, die zu aller Überraschung auf den letzten Metern aus der Lethargie kamen und flink wie ein geschossener Pfeil ihre Opfer anfielen.
Auf dem Rückweg und erfolgreichem Bekämpfen der Zombies stolperte die Gruppe über einen kleineren Hort von Riesenspinnen, die sich als Kundschafter Velexias, einem weiteren Drachen, später herausstellten. Jene Spinnen boten der Gruppe jedoch keinerlei nennenswerten Widerstand, sodass sie mit Leichtigkeit besiegt werden konnten. Allein ihre Netze erforderten viel mehr Zeit zur Beseitigung, als der Kampf gegen die Spinnen an sich.
Nachdem der Tag weit vorangeschritten war und die Gruppe ihre Asse im Ärmel vorbereiten wollten, zogen sich im Haus des Druiden unter, wo sie weitere Pläne und die Unterbringung des Karrens entschieden. Auch hier wirkte Magnus mit halber Aufmerksamkeit mit, denn für ihn war die Vorbereitung und die Übungen seines Zirkels wichtiger. Das Kribbeln in seinen Händen, was beim Wirken von Zaubern stärker wurde, war ein stetiger Begleiter des Tages und dieses beschwingende Gefühl, dass ein Magier das Netz umso präsenter wahrnahm, war ebenso ein Ansporn den Drachen mit all seinem Talent, der Hingabe und den Zielen des Zirkels zu überzeugen. Es bot sich so viel an Wissen, so viel Wissen, was Magnus durch die Finger glitt, als später Lady Eleonora dem Drachen den Garaus machte.
Am nächsten Morgen, in aller Früh und mit den ersten Strahlen des Tages, machte sich die Gruppe ohne den Druiden auf zum Hort. Breit gefächert und entlang des Weges zum Turmgebäude standen sie dort, versteckt, gedrungen und hoffend, dass Magnus das angestimmte Gespräch überleben sollte. Denn Magnus war der Einzige, der völlig demaskiert und ohne Hehl auf dem Weg stand und zum Drachen sprach. Die Aufregung, die Bewunderung und die Chance auf ein Erlebnis solcher Art ließen Magnus fast schon furchtlos wirken, als er den Dialog anstimmte. Der Drache hingegen gab sich kryptisch, verschwiegen und verworren und beharrte auf den Besuch der Gruppe. Allein die Stimme des Drachen löste in Magnus eine ungeahnte Wonne aus. Er, dem das Wissen aus den Bibliotheken verwehrt blieb, stand der besten Quelle gegenüber.
Doch zu allem Überdruss spielte der Drache nur sein Spiel, anstatt die Möglichkeit zu bieten, die Magnus ersann. Ein Kampf entfachte, als der Drache die Geduld verlor und den gastierenden Magnus, Baris und die Lady mit seinem Odem im Gebäude heimsuchte. Allein der göttliche Schutz bewirkte, dass Magnus dem Hauch des Giftes widerstand. Verärgert über die Aggression zog Magnus sein höchstes Bestreben in Zweifel, griff zur Waffe und stellte dem Drachen mit einer Feuerball Perle aus dem Gebäude nach. Jener war unlängst am Vorhof im Kampf mit der Gruppe verwickelt, bevor der tosende Feuerball von Magnus den Drachen in gleißende Flammen hüllte und das Schicksal von Baris verschonte. Die Zwerge fochten mit ihren Äxten, als gab es keinen Morgen.
Doch im Zenit des ersten Angriffs trat die eiserne Lady an den Drachen heran, trieb und schlug das Schwert, was dem Namen des Drachentötens gerecht wurde, in den Drachen. Jaulend, fauchend und dahinscheidend scheiterte der Fluchtversuch des Drachens, indem er allesamt mit einer göttlichen Lache von Drachenblut besudelte, bevor er zurück in den Turm krachte. Magnus, der den Drachen vor sich bewahren wollte, hielt ein und verlangte lebensverlängernde Maßnahmen durch Heilzauber. Doch dieser Wunsch blieb ihm verwehrt. So saß Magnus niedergeschlagen vom Ausgang der Begegnung vor dem leblosen Leichnam und die Wut begann zu kochen. Eine Stimme höhnte ihn, indem er ihm zu sprach: „Eine Seele weniger.“ Statt einem Sieg, verspürte Magnus nur eine Niederlage.