D&D Forum

 

Autor Thema: Sturmtaufe auf dem "Schattenhügel"  (Gelesen 1365 mal)

Offline Sebastian

  • Sebastian
  • Abenteurer
  • ****
  • Beiträge: 396
  • Fear isn´t real. Danger is real. Fear is a choice!
    • Profil anzeigen
Sturmtaufe auf dem "Schattenhügel"
« am: 28. März 2021, 18:37:31 »
Marthammor Duin (bzw. als unserer unmittelbarer Auftraggeber der Bürgermeister von Phandalin) hatte uns auserkoren, die Hebamme Adabra Gwynn vor dem Drachen zu warnen und sie sicher nach Phandalin zu geleiten (wenn sie sich geleiten lassen würde und keine unvernünftige Halsstarrigkeit an den Tag legen sollte, wie sie zuweilen bei Damen zu beobachten ist).

Als wir an dem Ort, der „Schattenhügel“ genannt wurde, eintrafen, war es jedoch kein Drache, der die holde Maid in ihrem Windmühlen-Heim gewaltsam bedrängte, sondern ein riesiger Mantikor. Nur unter Aufwendung unseres gesamten Könnens, gelang es unserer Gruppe (und dem stets hilfreichen Streitkolben meines Gottes) die Kreatur in gerechtem Zorn zu erlegen. Das Gefühl des Triumphs wurde allerdings später dadurch geschmälert, dass der Kadaver und alle von ihm entnommenen Trophäen sich auf wundersame Weise in Luft auflösten.

Die Gerettete konnte sich absolut nicht erklären, warum das Ungeheuer so leidenschaftlich versucht hatte, bei ihr einzudringen. Sie war uns sowohl für ihre Errettung, als auch für unseren Einsatz für die braven Bürger der Region, dankbar und bot an, uns mit eigens von ihr gefertigten Heiltränken kostenlos zu versorgen, wenn wir ihr die Zutaten für deren Herstellung bringen. Dankbar nahmen wir dieses großzügige Angebot an. Und wieder einmal hatte Marthammor Duin uns nicht nur zur Errettung einer hilfebedürftigen Person geführt, sondern uns hierdurch zu einem Lohn verholfen, der uns bei der Erfüllung unserer zukünftigen Verpflichtungen höchst dienlich sein dürfte. Reiner Zufall? Wohl kaum!

Die Mühle, in der wir Gastfreundschaft genossen, erwies sich keinesfalls als einfaches Heim:
-   Wir fanden zwergische Zeichen, die auf den Zwergengipfel-Clan hinwiesen. Ich fand auch einen Bollwerkstein, der wie der Zwingerstein einer Befestigung wirkte, was darauf hinwies, dass das hier einst ein Vorposten der Zwerge gewesen sein könnte. Geschichten überliefern, dass es an diesem Ort einst eine Fehde zweier Klans gab, als ein Heer von Orks die Gegend überrannte, so dass die verfeindeten Zwergenclans sich gegen den gemeinsamen Feind zusammenschlossen. Der Ort hier, an den sich seinerzeit auch die Menschen zurückgezogen hatten, mochte also das ehemalige Schlachtfeld großer Heldentaten sein.

-   Im Keller der Mühle fanden wir neben verfallenen Zeichen auch ein magisches Zeichen (Hervorrufungsmagie) eines Mantikors, ... was natürlich ein mehr als ungewöhnlicher „Zufall“ war, der uns einen Zusammenhang zu dem jüngsten Angriff vermuten ließ. Stammte das Zeichen von dem Zwergenclan, der den Mantikor im Wappen trägt? Oder von dem bösen Zwergengott der Gier, Abbathor?

-   Wir bemerken im Keller eine bemerkenswerte Konstruktion: die Wände schienen nicht auf dem Boden aufzuliegen und der Mühlenstein gleicht aus der Vogelperspektive einem Tresorrad, welches Balken aufnehmen kann, um gedreht zu werden, als hole man einen Anker ein. Tatsächlich wurde jedoch auf diesem Wege kein Anker gelichtet, sondern der äußere Rand des Bodens hinuntergelassen. Unten angekommen, waren wir uns sicher, einen Ort Abbathors gefunden zu haben.

-   Baris kletterte durch die Enge des Schachts des Mühlsteins in die Tiefe, konnte sich dort aber kaum bewegen und kehrt schnell wieder nach oben zurück, als er eine finstere Präsenz dort unten spürte.

Während unseren Untersuchungen hörten wir in der Ferne einen tosenden Sturm aufziehen und näherkommen. Als er angekommen war, hörten wir außerhalb der Mühle nicht nur das Unwetter, sondern auch lautes Stampfen. Unsere Gastgeberin und meine Gefährten wollten sich vor dem Schrecken dort draußen verkriechen, doch ich vernahm in dem Donnern das Rufen Marthammor Duins, der nicht nur der Herr der Wege, sondern auch der Blitze ist, und so trat ich vor die Tür. Ich fand im Sturm die spirituelle Erleuchtung, für die ich schon so lange gebetet hatte, als Marthammor Duin mir die Augen öffnete und mir den Pfad wies, den er mir vorherbestimmt hatte.

Außer Erleuchtung fand ich da draußen auch peitschenden Regen und den todgeglaubten Mantikor, der sich bester Gesundheit, aber auch eines fehlenden Gedächtnisses (in Bezug auf mich und meine Mitwirkung an seiner jüngsten Tötung) erfreute. Die Kreatur vermochte zu sprechen und es entwickelte sich eine interessante Unterhaltung, in der er zu erkennen gab, mich für einen „Wächter“ dieses Ortes zu halten (was ich natürlich verneinte) und fragte, wo denn die anderen seien (scheinbar hat es hier früher Zwergenwächter gegeben)? Auch er betrachtete sich als einen Wächter, der zur Hilfe hierher gerufen worden sei. Obwohl ich eingestand, dass wir ihn nicht wissentlich gerufen hatten und wir keine Wächter seien, konnte ich ihn von unseren ehrenhaften Absichten (und dass wir keine Diebe sind) überzeugen und so ließ er uns in Ruhe und zog seiner Wege, um seine Wacht andernorts fortzusetzen.

Nach diesem beeindruckenden Erlebnis gelang es uns, die Hausherrin davon zu überzeugen, dass es eine gute Idee war, dass sie uns nach Phandalin begleitet, um ihr Leben nicht leichtfertig zu gefährden. Wir verblieben allerdings so, dass sie zunächst hier noch auf uns warten (und sich hier um Baumel kümmern) sollte, bis wir die Zwerge an der Ausgrabungsstätte im Südosten ebenfalls vor dem Drachen gewarnt haben, um sie danach einzusammeln und alle gemeinschaftlich sicher nach Phandalin zu begleiten.
 
"There is not always a silver lining behind dark and stormy clouds. Sometimes the things behind are much worse."