Magnus saß nach den ersten Ereignissen und am frühen Morgen des folgenden Tages in der Taverne, als man ihm ein Brett mit frischem Brot, Käse, Wurst und einen Humpen voll Most auftischte. Der grau laminierte Herr, der mit den Strähnen in seinem Antlitz zu kämpfen hatte, während er sich über ein Stück Pergament beugte, lächelte die Bedienung dankbar an. Nach den Ereignissen war ein reichhaltiges Frühstück genau das Richtige. Jedoch musste das Frühstück warten und das Stillen des Hungers aufgeschoben werden.
Eine Kerze erhellte die nahe Umgebung um Magnus und tauchte die frühe Szene in ein flackerndes Zwielicht, als er eine Schreibfeder in ein Tintenfässchen tauchte. Die ersten geschwungenen Lettern, die das Pergament begrüßte, leiteten eine Botschaft an seinen Freund Seras Dinkelglück ein. Ganz unverhohlen und vor allem ohne Geheimniskrämerei saß er dort, während müde Gäste vom Vorabend ebenso schlaftrunken, wie nicht nüchtern ihre Bänke aufsuchten und hin und wieder einige Blicke gegenüber Magnus zollten.
"Heil dem Zirkel, heil Dir, Seras Dinkelglück,
Ich habe am gestrigen Abend endlich einen Teil der Unternehmung kennenlernen dürfen, die der Verschwörungen und vor allem den Gefahren durch Drachen nachgehen. Orthum, ein Zwerg, der mit seinem Frohsinn und seinem scharfen Verstand für zwei spricht. Ein angenehmer Zeitgenosse, der mich an einen Zwerg in Baldurs Tor erinnert. Du würdest ihn mögen. Daneben ist sein Bruder, auch ein Teil der Gruppe, der wortgewandt die Geschicke der Gruppe vertritt. Breit wie ein Ochse und die Oberarme so stark wie Eichen. Ihr hättet seinen Helm und vor allem seinen Streithammer sehen müssen. - Mit diesem Mann möchte ich mich nicht mal anlegen. Der Eifer und ihr Enthusiasmus spiegelt ein bekanntes Wesen wieder. Ragarrim Felsenhüter, unser geschätzter Zwerg und Klingenmeister. Und es ist wenig verwunderlich, dass sie für 8 Mannen trinken und vermutlich für 10 essen.
Lady Eleonora, jene, die meine Ansprechpartnerin ist, sticht durch ihre abgeklärte, aber doch gütige Art hervor. Die Schmach, dass ich ihren Adelstitel nicht allein bei ihrem Anblick erkannte, hatte ich schnell korrigiert. Trotz dessen wirkt sie geerdet, fast schon auf den Titel pfeifend. Die Lady stellt auch das Bindeglied zwischen Meister Daran Edermath und all den anderen wichtigen Personen dar. Darunter der Stadtvorsteher und eine Frau Dornklafter, die beide das gleiche Ziel verfolgen, nur ist die eine etwas energischer, während der Vorsteher, in meinen Augen, der Lethargie und der Augenwischerei verfallen ist.
Die Lage um Phandalin ist ernster, als wir zunächst annahmen. Es wird von drei Drachen gesprochen, einem Weißen, einem Grünen und einem Schwarzen, der der dunklen Brut Tiamats entsprang. Ich gehe nicht davon aus, dass diese territorialen Wesen mit der Verschwörung und der Bedrohung von Außen in Zusammenhang stehen. Ich glaube aber, dass diese edlen, doch gefährlichen Wesen durch die hiesigen Ereignisse aufgescheucht wurden und sich nun um ein Territorium zanken, was einst zwischen den Drachen klar geregelt und abgesteckt war.
Die Stadt wird durch diese Unruhen bedroht, bedrängt und verängstigt, während die selbsternannten Helden Phandalins mit bestem Gewissen den Anhaltspunkten nachgehen. Jedoch muss ich eine gewisse Doppeldeutigkeit im Handeln der Gruppe feststellen. Sie versuchen durch die Uneinigkeit des Ortes an mehreren Stellen ihren Profit herauszuschlagen und schmieren, so mein Eindruck, ihren Auftraggebern Honig um den Mund. Sie beziehen dadurch ihren Vorteil in barer Münze, während sie sich auf den ersten Eindruck für keine der beiden Parteien entscheiden.
Aber ich denke, dass sich das in Zukunft ändern wird, denn die Bevölkerung steht dem Joch und den Abgrund der Verheerung entgegen und mein Ziel ist es zunächst mit allen Mitteln diese armen Seelen vor dem Tod zu retten. Ja, du liest richtig, Seras. Es ist etwas persönliches geworden und ich spreche hier nicht von Frauen, sondern vom Anliegen unserer Leitsätze. "Das Schicksal vieler über das Schicksal einzelner."
Die Untersuchungen ergaben, so viel sei gesagt, dass die Verschwörung eine Wiederholung der Geschichte Phandalins einläutet. Samt gefährlicher Deutungen und Anzeichen sind wir die letzte Bastion, die zum Schutze des Ortes steht. Ich werde im Zuge meiner fortwährenden Arbeit Herrn Felsenhüter mit genaueren Informationen versorgen. Ich hoffe jedoch, dass du heil und sicher in Waterdeep angekommen und wohlauf bist.
In aller Freundschaft
Magnus Vandarr"
Die Tinte, die die Linien und Lettern auf das Pergament brachten, trocknete in aller Eile, als Magnus das Pergament zum Trocknen im gewissen Abstand über die brennende Kerze hielt. Er wurde immer wieder darin bestätigt, dass die Gäste und Angestellten einen neugierigen Blick auf seine Nachricht warfen.
Nicht zuletzt als Linene Grauwind ungefragt an seinem Tisch und mit einem bestückten Brett bewährt Platz nahm. Es begann ein unterhaltsamer Morgen mit einem gemeinsamen Frühstück. Sie frönten, lachten und tauschten sich aus. Geschichten, Eindrücke und Erlebnisse um und von Phandalin waren ein großer Bestandteil der beiden Personen, ungeachtet dessen, dass natürlich auch ein paar privatere Fluseln gewechselt wurden.
Magnus war es egal, dass die Frau immer wieder forschende Blicke für den offenen Brief verlor, bevor er ihn zusammenrollte und mit Wachs und dem Zirkelsiegel für den Versand vorbereitete.