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Kaminzimmer => Abenteuer => Thema gestartet von: Maria am 17. Mai 2026, 23:47:51

Titel: Die erneute Eroberung von Aurils Sehne
Beitrag von: Maria am 17. Mai 2026, 23:47:51
Es ging zur Eroberung der Feste.

Wir standen am Fuß der südöstlichen Ecke, vor uns eine gefrorene Steilwand von nahezu sechzig Metern Höhe. Schon beim ersten Blick hinauf war mir klar gewesen, dass dieser Aufstieg Wahnsinn war. Der eisige Fels bot kaum Halt, und ein einziger Fehler bedeutete den sicheren Sturz in die Tiefe. Trotz aller Warnungen entschied sich die Gruppe dennoch für den Aufstieg.

Korrgrim gelang es tatsächlich, die Höhe zu erreichen. Shenmi hingegen stürzte mehrfach ab und riss Brakur und mich jedes Mal mit sich hinunter. Bereits nach kurzer Zeit waren unsere Kräfte nahezu erschöpft. Die Kälte, die Verletzungen und die wiederholten Stürze machten deutlich, dass wir uns an einem Punkt befanden, an dem weiterer Ehrgeiz nur noch zum Tod führen würde. Schließlich untersagte ich das Klettern. Brakur war sichtlich erleichtert über diese Entscheidung, als Orthum zu uns hinabstieg.

Er kümmerte sich sofort um unsere Verletzungen, auch wenn selbst seine Heilung die Schäden nicht vollständig ausgleichen konnte. Kurz darauf hörten wir ein Geräusch über uns, und plötzlich stürzte Baris aus der Höhe herab. Sein Aufprall war schwer. Er regte sich nicht mehr.

Für einen kurzen Moment schien alles still zu werden.

Orthum reagierte sofort und stabilisierte ihn mit seinem Zaubertrick Verschonung der Toten, sodass keine Todesrettungswürfe mehr notwendig waren. Gemeinsam gelang es uns schließlich, ihn wieder ins Leben zurückzuholen. Ich heilte einen Großteil seiner Verletzungen, Orthum tat sein Übriges, und langsam kehrte Farbe in Baris’ Gesicht zurück. Shenmi hatte bei ihren ersten beiden Stürzen erstaunlich wenig Schaden genommen und sich erst beim dritten ernsthafter verletzt.

Brakur berichtete uns währenddessen, dass er Schreie der Orks aus der Festung gehört habe. Deshalb war er überzeugt, dass Araleth noch lebte und kämpfte. Korrgrim, so nahm er an, müsse ihn unterstützen.

Da der Aufstieg gescheitert war, machten wir uns auf den Weg zur Brücke, um dort Deckung zu suchen und darauf zu warten, dass das Tor geöffnet würde. In der Dunkelheit war kaum etwas zu erkennen, und die Entfernung ließ nicht zu, sicher festzustellen, ob sich das Tor bereits bewegt hatte. Also blieb uns nichts anderes übrig als zu warten.

Langsam rückten wir vor.

Dann tauchte plötzlich die Silhouette eines Zwerges vor uns auf, der uns entgegenrannte. Es war Korrgrim. Er wirkte aufgebracht und sprach hastig von einem Dämon und davon, dass beinahe alle tot seien. Er erklärte, dass er gekommen sei, um Verstärkung zu holen. Seine beschworene Eule habe uns am Fuß der Festung nicht finden können, weshalb er selbst hinuntergelaufen sei, um das Tor zu öffnen. Dabei stellte sich heraus, dass Araleth das Tor bereits geöffnet hatte.

Genau das hatte ich erwartet.

Wenn Araleth im Einklang mit seinem Gott kämpfte, war er kaum aufzuhalten.

Wir betraten vorsichtig die Festung. Überall lagen Tote. Zwischen ihnen stand Araleth und wartete auf uns. Sein Blick war finster und voller Zorn. Mit ruhiger, aber harter Stimme erklärte er, dass das Werk seines Gottes vollbracht sei. Dann richtete sich sein Blick auf Korrgrim.

Offenbar gab es zwischen den beiden einiges zu klären.

Araleth machte keinen Hehl daraus, wie wenig hilfreich Korrgrims Unterstützung gewesen war. In seiner Panik hatte Korrgrim ihn mit dem Zauber Zerbersten sogar noch verletzt, bevor er schließlich geflohen war. Die anderen reagierten mit offenem Respekt auf Araleths Leistung.

Ich selbst hatte keinen Augenblick an ihm gezweifelt. Deshalb trat ich zu ihm, schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter und gratulierte ihm zu seinem Sieg. In meinen Augen hatte er seinem Gott alle Ehre gemacht, und ich war stolz auf das, was er vollbracht hatte.

Der gesamte Versuch, die Festung zu erklettern, erschien mir im Nachhinein umso sinnloser. Genau das sagte ich den anderen auch offen. Wer seinen Göttern dient, sollte ihnen in entscheidenden Augenblicken mehr Vertrauen entgegenbringen, statt sich blindlings in den Tod zu stürzen, ohne überhaupt einen Feind erreicht zu haben.

Denn es gibt kaum einen unehrenhafteren Tod, als an einer vereisten Wand zu zerschellen, bevor die eigentliche Schlacht überhaupt begonnen hat.

Die Orks, die Araleth erschlagen hatte, zogen wir zusammen und begannen sie sorgfältig zu untersuchen. Dabei fanden wir erneut jene Brandzeichen, die uns inzwischen nur allzu vertraut waren. Die schwarze Spinne. Das Zeichen war tief in ihre Haut eingebrannt und sofort erkannte ich die Verbindung. Bereits zuvor hatten wir dieses Symbol auf einem Schreiben eines Drow gesehen, den wir damals in Phandalin getötet hatten. Doch inzwischen wussten wir, dass die Schwarze Spinne kein einzelner Name war, sondern ein Titel, ein verborgenes Gesicht in der Dunkelheit. Einer jener Drow, die ihre Intrigen lieber aus dem Verborgenen lenkten, statt offen hervorzutreten.

Fünf der Orks trugen zusätzlich die Ringe der Nekromantie um ihre Herzen. Es handelte sich dabei nicht um Schmuck oder Rangabzeichen, sondern um ein Zeichen der Treue, das offenbar nur ausgewählten Dienern verliehen wurde. Wir wussten bereits, wie gefährlich diese Ringe waren. Solange sie mit dem Körper verbunden blieben, konnten die Toten erneut auferstehen und weiterkämpfen. Deshalb begann ich damit, die Brustkörbe der Gefallenen zu öffnen, um die Ringe zu entfernen.

Die Arbeit war unangenehm, doch notwendig.

Zugleich durfte niemand die Ringe direkt berühren, sofern er keinen geweihten Gegenstand bei sich trug. Die Macht, die von ihnen ausging, war gefährlich genug, um auf den Träger überzugehen. Als Baris zu uns trat, den wir zuvor gemeinsam mit Gallador beim Zubereiten einer Mahlzeit gestört hatten, löste er das Problem auf seine eigene Weise. Er zog seinen Gürtel hervor und begann, die Ringe darauf aufzufädeln, bevor er sie achtlos in eine Ecke des Ganges warf. Shenmi und er hatten während ihrer Einweihung zum Mönch geweihte Gürtel erhalten und waren dadurch vor der Wirkung der Ringe geschützt.

Erst jetzt wurde mir bewusst, wie groß diese Ringe tatsächlich waren. Sie umschlossen das Herz einer Kreatur vollständig und wirkten beinahe wie eiserne Klammern um das Leben selbst.

Die Leichen der Orks warfen wir anschließend erneut in die östliche Schlucht vor der Festung. Während wir arbeiteten, wurde immer deutlicher, dass unsere Gegner längst begonnen hatten, auf unsere Handlungen zu reagieren. Bereits auf unserem Weg hierher waren wir drei Patrouillen begegnet. Wahrscheinlich hatten die Orks die Leichen der Goblins entdeckt, die wir nach der ersten Eroberung der Festung zurückgelassen hatten. Vermutlich hatten sie auch den toten Otyugh gefunden, jenes Wesen, das die Goblins beinahe wie eine göttliche Erscheinung verehrt hatten.

Danach mussten sie begonnen haben, Vorkehrungen zu treffen.

Die erneute Besatzung der Festung war kein Zufall gewesen. Ebenso wenig die verstärkten Patrouillen. Alles deutete darauf hin, dass sich ihre Kräfte inzwischen vor Morbar sammelten. Doch bevor wir voreilige Schritte unternahmen, mussten wir die Lage genauer erkunden. Diese Orks und insbesondere ihre Anführer waren nicht so einfältig, wie manche glauben wollten. Sie lernten. Sie beobachteten. Und sie reagierten.

Hinzu kam die Gewissheit, dass es in den Zehnstädten einen Informanten geben musste, der für die Gegenseite arbeitete. Zu vieles sprach dafür, dass unsere Feinde über Bewegungen und Ereignisse informiert wurden, die sie eigentlich nicht hätten kennen dürfen. Deshalb mussten wir vorsichtiger handeln als bisher.

Während die anderen arbeiteten oder aßen, gingen mir die Worte des Dain erneut durch den Kopf. Er hatte uns gewarnt, dieses Unterfangen klein zu halten. Eine große Gruppe von Zwergen würde zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Jainhar kannte den Weg und wusste, wie wir mit dem Schlüssel Zugang erhalten konnten. Entscheidend war, dass niemand erfuhr, was unser eigentliches Ziel war. Niemand, dem man nicht vollständig vertrauen konnte.

Morbar zu erobern würde schwer werden, daran bestand kein Zweifel. Doch gerade eine kleine Gruppe besaß einen Vorteil, den ein Heer niemals haben würde: Überraschung.

Dass die Drow hinter all diesen Vorgängen standen, erschien mir inzwischen offensichtlich. Welche Pläne sie genau verfolgten, wusste ich nicht. Aber ich war sicher, dass sie weder den freien Völkern des Nordens noch den Städten der Schwertküste etwas Gutes bringen würden.

Auch deshalb waren die Verstärkungen aus dem Süden von so großer Bedeutung. Sollten ihre Vettern tatsächlich eintreffen, könnten die Handelswege wieder geöffnet werden, was allen zugutekäme.

Die Worte des Dain hallten noch lange in meinen Gedanken nach.

Nachdem wir die Leichen beseitigt und die wichtigsten Dinge geregelt hatten, richteten wir unser Lager innerhalb der Festung ein. Die erste Wache übernahm ich gemeinsam mit Araleth. Die Nacht war kalt und still, doch die Gespräche mit ihm machten die Stunden kurzweilig. Der Austausch mit ihm hatte etwas Angenehmes, weil er klar sprach und selten Worte verschwendete. Nach den Ereignissen des Tages tat es gut, für einen Moment nicht kämpfen oder planen zu müssen.

Unsere Wache verging rasch. Nachdem wir die nächsten Wächter geweckt hatten, nahmen wir noch eine kleine Mahlzeit zu uns und legten uns schließlich schlafen. Brakur und Shenmi übernahmen die nächste Wache.

Wie lange ich geschlafen hatte, vermag ich nicht zu sagen. Ich wurde abrupt aus dem Schlaf gerissen, als Brakur Alarm schlug. Seine Stimme hallte durch die Festung und ließ keinen Zweifel daran, dass Gefahr unmittelbar bevorstand. Orks waren in die Feste eingedrungen.

Sofort sprang ich auf und weckte die anderen, die in meiner Nähe lagen. Einer der wenigen Vorteile daran, in voller Rüstung zu schlafen, zeigte sich nun deutlich. Zwar war die Ruhe unbequem gewesen, doch dafür verloren wir keine Zeit mit dem Anlegen unserer Ausrüstung. Während um mich herum hastig Bewegung entstand, setzte ich mich bereits in Richtung der unteren Gänge in Bewegung. Ich sah noch, wie Baris und Jainhar ebenfalls reagierten und sich zum Kampf bereit machten.

Als ich die Treppen hinuntereilte, erkannte ich Brakur im Gang vor sich eine Gruppe Orks gegenüberstehen. Noch bevor ich ihn erreichen konnte, griff Araleth ein und deckte die Gegner mit präzisen Schüssen seines Bogens ein, während Korrgrim erneut die Macht seiner Ahnen beschwor. Shenmi und ich erreichten kurz darauf die unteren Ebenen und stellten uns den ersten Orks direkt entgegen.

Während des Kampfes wurde schnell klar, wie die Gegner in die Festung gelangt waren. Sie hatten das Gatter des Westtors mit roher Gewalt hochgestemmt und sich auf diesem Weg Zugang verschafft. Offenbar hatten wir uns zu sehr darauf verlassen, dass die Festung nach außen hin gesichert sei.

Der Kampf selbst verlief hart, aber kontrolliert. Gemeinsam gelang es uns, die eingedrungenen Orks vollständig zu vernichten, bevor sie sich weiter in der Feste ausbreiten konnten. Erst danach sammelten wir uns wieder im mittleren Gang.

Dort spürte ich zum ersten Mal deutlich, wie erschöpft ich tatsächlich war. Die Stürze an der vereisten Wand, die Verletzungen und die Kämpfe der letzten Stunden forderten ihren Tribut. Jeder Schritt fühlte sich schwerer an als zuvor, und dennoch wusste ich, dass wir uns keine wirkliche Ruhe leisten konnten. Nicht hier. Nicht solange wir nicht verstanden hatten, wie weit der Einfluss unserer Feinde bereits reichte.