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Kaminzimmer => Abenteuer => Thema gestartet von: Maria am 13. Februar 2026, 21:26:02
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Trotz meiner deutlichen Argumente gegen einen Aufbruch nach Easthaven wollte außer Korrgrim niemand erkennen, in welche Gefahr wir uns damit begeben würden. Als mir klar wurde, dass ich die anderen nicht umstimmen konnte, änderte ich meine Vorgehensweise. Ich erinnerte sie daran, dass wir als Gefährten gemeinsam entscheiden und dass die Mehrheit sich bereits festgelegt hatte. Wenn es so sein sollte, würde ich diese Entscheidung mittragen.
Interessanterweise schien auch den anderen der Entschluss nicht wirklich zu gefallen. Kaum hatte ich meinen Widerstand aufgegeben, begann Shenmi vorsichtig, ihre eigene Haltung zu überdenken. Die Argumente, mit denen sie zuvor betont hatte, wir seien vom Dain nicht zum Verweilen aufgefordert worden und wir hätten uns ja bereits entschieden nach Easthaven zu gehen, verloren an Gewicht. Es war, als hätte erst die Ruhe die Möglichkeit geschaffen, noch einmal neu zu denken.
Diese Wendung verschaffte mir Zeit, mich einer Aufgabe zu widmen, die ich lange vor mir hergeschoben hatte. Ich begann, meine Rüstung neu zu schmieden und das Stück Neserillammele weiterzuverarbeiten, das bisher unvollendet geblieben war. Die Arbeit erforderte Geduld und Sorgfalt, und ich war dankbar, dass Orthum mir dabei zur Seite stand. Doch wie so oft blieb uns keine lange Atempause.
Der Dain ließ uns rufen. Er berichtete von seiner Sorge, dass die Angreifer offenbar genau wussten, wo sie zuschlagen mussten. Er vermutete, dass sie im Besitz einer Karte seien, die ihnen dieses Wissen verschaffte. Eine solche Karte zeigte er auch uns. Darauf waren sämtliche Zugänge und Wege verzeichnet. Zudem erklärte er, dass es in den Tiefen eine gesicherte Mittelstation gebe, in der das vollständige Kartenmaterial aufbewahrt werde. Unsere Aufgabe sollte es sein, dort nach dem Rechten zu sehen und die Karten zu bergen.
So ließen wir Easthaven hinter uns, noch bevor wir es erreicht hatten, und machten uns auf den Weg in die Tiefe. Ich war erleichtert über diese Wendung, denn ich stellte mich lieber einer klaren Bedrohung aus dem Unterreich als einem möglichen persönlichen Konflikt, dessen Ausgang ungewiss gewesen wäre.
Wir folgten den Wegen, die auf der Karte eingezeichnet waren, und stießen bald auf eine Gruppe Orks, die sich strategisch günstig positioniert hatte. Obwohl wir mit Gefahren gerechnet hatten, zeigte sich, dass der Weg anspruchsvoller war als erwartet. In diesem Gefecht kämpfte zum ersten Mal unser neuer Gefährte aus dem Amulett an unserer Seite. Seine Fähigkeiten hatten wir bislang nur erahnt. Nun zeigte sich, dass die lange Gefangenschaft von hundertachtzig Jahren ihn nicht untätig gelassen hatte. Er handelte überlegt und wirksam, und ich war beeindruckt von dem, was er vermochte.
Nach einem harten Kampf setzten wir unseren Weg fort und erreichten schließlich die Station, von der der Dain gesprochen hatte. Im Inneren befand sich ein gesicherter Raum mit einem Tresor. Dank des Schlüssel, der uns anvertraut worden war, konnten wir ihn öffnen. Zu unserem Erstaunen waren alle Karten noch vorhanden. Das Gebäude selbst wirkte beinahe fehl am Platz, ein abgeschlossener Raum mit Fenstern zur Höhle hin.
Während wir die Karten überprüften, bemerkte ich einen leichten Luftzug aus nördlicher Richtung. Schon zuvor hatte ein ähnlicher Luftstrom das Auftauchen von Feinden angekündigt, weshalb ich diesem Hinweis nachgehen wollte. Noch bevor wir uns jedoch beraten konnten, näherte sich eine größere Gruppe Orks der Station. Nicht jeder von uns konnte sie sehen oder hören, doch Thestalos erkannte sie durch eines der Fenster.
Ohne Zögern wirkte er einen Zauber, den ich bis dahin nicht kannte. Er sprach Worte die nicht von dieser Welt zu sein schienen. Innerhalb kürzester Zeit wurde die gesamte Gruppe von neunzehn Orks ausgelöscht. Der Zauber entfaltete eine Wirkung, die ich nur schwer beschreiben kann: Kälte, Dunkelheit und etwas Fremdes, das sich den Gegnern entzog und sie zugleich verschlang. Ich war dankbar für diese Macht, doch zugleich fragte ich mich, welche Kräfte noch in ihm verborgen lagen. Korrgrim beobachtete das Geschehen mit spürbarer Zurückhaltung, und ich konnte seinen Respekt nachvollziehen.
Da das Öffnen und Schließen des Tresors erheblichen Lärm verursachte, entschieden wir, die geborgenen Karten außerhalb in einer unauffälligen Kiste unter anderen Kisten zu verstauen. Nicht jeder war mit dieser Lösung einverstanden, doch sie erschien uns praktikabel. Anschließend folgten wir dem Luftzug weiter nach Norden.
Unser Weg führte uns tiefer in unbekanntes Gebiet. Durch einen Zufall entdeckten wir einen optisch getarnten Zugang. Wir entschieden uns, ihn zu untersuchen, und stießen auf ein Lager von fünf Drow. Thestalos und Orthum erkundeten die Situation sorgfältig. Danach standen wir vor einer Entscheidung. Korrgrim sprach sich für den Rückzug aus, während die Mehrheit einen Angriff befürwortete. Wir wählten schließlich die Offensive.
Neben den Drow befanden sich auch Orks in diesem Bereich, was bestätigte, dass es sich um ein festes Lager handelte. Es gelang uns, die Gegner zu überraschen. Der anschließende Kampf war fordernd, doch am Ende behielten wir die Oberhand. Einen der Drow nahmen wir bewusstlos mit. In ihrem Gepäck fanden wir die gesuchte Karte sowie weitere Hinweise auf ihre Aktivitäten.
Um zu verhindern, dass Verstärkung nachrücken konnte, entfernten wir die Holzbohlen einer schmalen provisorischen Brücke und warfen sie in die Tiefe. So war der Übergang unpassierbar geworden.
Auf dem Rückweg begegneten wir erneut einer großen Gruppe Orks. Um sicherzugehen, dass unser Gefangener nicht entkam, machten wir ihn abermals bewusstlos. Die Kiste mit den Karten mussten wir abstellen, bevor wir uns dem Kampf stellten. Erneut gelang es uns, die Angreifer zu besiegen, doch die Anstrengung war uns allen deutlich anzumerken. Um eine besonders glatte und unsichere Brücke zu vermeiden, nahmen wir einen Umweg in Kauf, auch wenn dieser weitere Begegnungen mit sich brachte. Letztlich erreichten wir das Tor des Zwergenreiches.
Wir übergaben den Drow und die Kiste mit den Karten. Den Versuch, Thestalos’ Herkunft nicht vollständig offenzulegen, konnten wir nicht überzeugend durchhalten. Zunächst jedoch wurden wir versorgt. Wir reinigten uns, aßen und schliefen, bis die Erschöpfung von uns wich.
Am folgenden Tag führte man uns zum Dain. Er zeigte sich dankbar für die gründliche Erfüllung unseres Auftrags. Thestalos entschied sich, die Wahrheit über seine Vergangenheit selbst auszusprechen. Er berichtete, dass er durch eine jugendliche Torheit seit hundertachtzig Jahren in Kragus’ Amulett gefangen gewesen war. Der Dain und die anwesenden Zwerge waren über unsere Unwahrheit nicht erfreut, doch sie akzeptierten seine Erklärung.
Ich war erleichtert, dass die Angelegenheit ohne weiteren Bruch endete. Vielleicht bleibt mir nun die Ruhe, meine Rüstung endgültig zu vollenden.