Es ist unbeschreiblich! Wir decken mehr und mehr die hiesigen Machenschaften auf und es ergibt immer mehr Sinn. Aber eins nach dem anderem.
Wir standen im Holzfällerlager und begannen mit der Untersuchung der drei massiv gebauten Holzhütten. Trotz aller Anspannung ermahnten uns Baris und Eleonora wie immer taktisch versiert vorzugehen. Wir teilten uns an den Türen auf, Baris öffnete sie und Eleonora betrat das Gebäude zuerst. Diese Vorgehensweise führten wir bei den anderen Gebäuden ebenfalls durch. Im ersten (dem größten) Haus fanden wir mehrere Betten - blutverschmiert - vor. Es deutete auf einen Überraschungsangriff hin: sie wurden im Schlaf überfallen und eiskalt erdrosselt.
Im Raum selbst sind verschiedene Regale und Schränke, die wir beginnen zu durchsuchen. Eleonora findet im Schrank eine herrunter gerissene Halterung für Waffen, die leicht benässt ist und einen Vorrat an nützlichen Waffen, darunter ein Langschwert, ein Kurzschwert, eine leichte Armbrust mit Bolzen und zwei Kurzbögen mit Pfeilen. Baris ist ebenfalls fündig geworden: ein kleines Säckchen mit einem guten Lohn für einen Holzfäller wurde zwischen den Geschirrstapeln versteckt. Araleth, der wie immer ein wachendes Auge auf die Umgebung hatte, erinnerte uns daran, dass wir später noch weitersuchen können. Recht hat er - was bin ich für ein Zwerg, der sich eher dem Stöbern als dem Erkunden und Aufdecken von Gefahren widmet. Verzeiht mir, Tyr!
Das nächste (mittlere) Haus gleicht einem Schlachthof. Hier wurden fünf Männer an den Dachbalken im Innenraum aufgehangen und aufgeschlitzt. Ihre Gedärme verteilt auf dem Boden, deutet es darauf hin, dass diese groteske Art nur auf einen Gegner deutet: Orks! In der Mitte des Raumes sitzt ein weiterer Mann, gefesselt auf einem Stuhl, qualvoll gefoltert und ebenfalls tot. Die Orks haben anscheinend versucht hier Informationen aus den Holzfällern zu erhalten. Weiter hinten im Raum ist noch eine stark maltretierte Truhe mit einem dicken Schloß zu sehen. Bevor wir uns aber der Untersuchung widmen, klingeln die Worte des Elfen erneut in meinem Ohr. Fokussiere dich, Orthum!
Das letzte (linke) Haus weist ebenfalls Blutspuren auf, so als wenn jemand aus dem Haus heraus geschliffen wurde. In Anbetracht des Gemetzels vom mittleren Haus nachvollziehbar. Dies muss die Hütte des Anführers bzw. des Leiters dieses Lagers sein. In seinem Schlafraum finden wir an der Wand eine hervorragend ausgearbeitete Karte vom Gebiet um das Maer Dualdon. Baris, dessen Herz so laut schlägt, dass jeder es hören konnte, wollte dieses hochwertige Stück Kartographie selbstverständlich haben. Wir nahmen also die Karte, die sich in einem Bilderrahmen MIT Glasscheibe befand herunter, öffneten den Rahmen und nahmen die Karte raus. Einem einfachen Zwerg ist es nicht aufgefallen aber alle anderen wiesen direkt auf den Silberring - eingestanzt, also eine Öse - in der linken oberen Ecken hin, der mit feinster Präzision 360 Kerben enthielt. Was für mich im ersten Moment nur Schmuck war, würde später noch eine massive Auswirkung auf die Erläuterung der Geschehnisse nehmen. Die Karte selbst war von absoluter Wertigkeit: dickes Leder und diese Öse deuteten darauf hin, dass die Holzfäller nicht einfach irgendwelche Halunken waren, die sich schnelles Geld verdienen wollen.
In Anbetracht das Areal nach möglichen Feinden abgesucht zu haben, machten wir uns dann an die genauere Untersuchung.
Zunächst starteten wir im mittleren Haus. Wir durchsuchten die Leichen nach entsprechenden Hinweisen oder Dingen, die in die Öse eingesetzt werden konnten. Doch erstaunlicherweise konnten wir bei keinem der Männer einen Gegenstand finden - sie besaßen schlichtweg keine persönlichen Gegenstände. Was uns vermuten ließ, dass diese Unternehmung hier ein wohl durchdachter Plan sei. Es sollten keine Rückschlüße auf irgendwelche Personen oder Gruppierungen gezogen werden können. Wir beschloßen, dass die Leichen in die Bettlaken und Tücher aus den Nachbarhäusern eingewickelt werden, damit sie wenigstens ein wenig den Respekt der Toten erhielten, der Ihnen zustand.
Danach begannen wir uns der Truhe zu widmen. Baris hatte wieder einmal ein Auge für solcherlei Dinge und stellte schnell fest, dass die Truhe einen doppelten Sicherheitsmechanismus hatte: das normale Schloß und eine Stachelfalle. Brando Baris in Ehren, dieser Halbling öffnete das Schloß trotz anfänglicher Schwierigkeiten so schnell wie Onkel Tongur das erste Bier bei Familienfeste weg hatte - und er war schnell! Vielleicht lag es aber auch daran, dass sowohl mein Bruder als auch ich für die göttliche Führung und das feine Geschick zu den Göttern beteten. Vielleicht war es auch die heilende Wirkung von Eleonora, die sich unverzüglich um Baris nach dem ersten - und einzigen - Fehlschlag kümmerte, um mögliche Gifte zu neutralisieren. ODER vielleicht war es auch die stillschweigende Anwesenheit eines Gallador Kain, der nicht eine Sekunde von seiner Seite wich als wir anderen zur Sicherheit den Raum verließen. Diese Nordmänner sind wahrhaftig ein anderer Schlag. Schade, dass er kein Zwerg ist..!
Nachdem er die Kiste öffnete fanden wir darin entsprechende Reichtümer, Heiltränke und - das Wichtigste - einen Schlüssel mit einer eingebauten leeren Phiole sowie ein Schreiben an die örtlichen Arbeiter. Wir waren uns anfänglich nicht sicher, aber nachdem mein Bruder mal wieder den Gedankenblitz lieferte, fiel es uns allen sofort ein: Dies muss der Schlüssel für die nachgemachte Schatulle Bremens sein!! Endlich..! Das Schreiben selbst deutete darauf hin, dass der Auftraggeber mit den Ergebnissen des Lagers nicht zufrieden war und dass die nächste Lieferung größer ausfallen müsste. Eleonora nahm den Schlüssel an sich und wir durchsuchten das Gebäude nochmals gründlich. Das Baris in dem Kaminschacht den eigentlichen Schlüssel für die Fallentruhe fand, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausbauen. Viele Wege führen zum Ziel..
Korrgrim untersuchte noch auf magische Gegenstände wurde diesbezüglich aber nur ein wenig schlauer: die Karte aus dem Anführerhaus enthielt schwache Magie der Verwandlung. Darüber hinaus gab es noch Shenmi, die eine Vermutung bezüglich der Leichen hatte, dies verlief sich aber wieder schnell.
Wir durchsuchten noch das größte Haus einmal mehr und fanden zudem einen weiteren Brief und einen Beutel voll Gold. Das Gold nahm Eleonora in die Gruppenkasse auf und in dem Schreiben selbst fanden wir die Hinweise, die wir benötigten, um das Gedankenrad anzuschmeißen: der Brief war von einer Geliebten eines Holzfällers und sie berichtete von einer Glocke und einem gräßlichen Vogel, der eben diesen Brief heimlich in das Lager schmuggelte, obwohl keine persönlichen Gegenstände erlaubt waren. Wir lasen den Brief und bei jedem von uns kamen zwei Dinge in den Kopf: Targos und Tap-Tap!
Die Holzfäller hier arbeiteten im Auftrag von einer unbekannten Fraktion, die in Kombination mit dem Einkaufskontor in Targos steht. Gallador, der inzwischen wie eine Art Mitglied unserer Gruppe geworden ist, half uns abermals mit wichtigen Informationen. Die in Targos vorhandene Fischergilde sei die Einzige, die er kennt, die zu solchen Dinge in der Lage wäre und es machte auch Sinn: sie würden die Holzbestände in Bremens Territorium nehmen, über den Flussweg nach Targos transportieren und im Einkaufskontor über Tap-Tap verkaufen. Dies würde auch erklären, wieso wir damals so schnell so viel Holz hätten haben können. Darüber hinaus stellten wir fest, dass Targos in einer Art Bündnis mit Bryn Shander stehen muss, da der Bote aus Bryn Shander kam, sich auf den Weg zu eben diesem Holzfällerlager von Targos machte und eine wichtige Mitteilung für eben diesen Ort bei sich trug.
Die neuen Erkenntnisse sprudelten nach und nach immer mehr aus jedem von uns raus.. Idee und Einfall, hier und dort, mehr und mehr.. sogar soweit, dass ich eine Vermutung aufstellte, dass die Orks nicht im Bösen handeln würden, sondern vielleicht sogar Dinge verhindern wollen. Hierfür gab es aber keine weiteren Indizien und ich ließ diesen Gedanken erstmal im Raum stehen. Wir übernachteten im größten Haus und brachen am nächsten Morgen auf. Kurz vor Aufbruch haben Korrgrim und ich noch den Flaschenzug sabotiert und die entsprechenden Seile und Räder in der Fallentruhe verschlossen. Dieses Holz darf nicht einfach wegtransportiert werden.
Araleth führten uns erneut mit einem Gespür der Götter ohne Umwege nach Bremen zurück. Dieser Elf hat sich wahrlich als Teil unserer Gruppe etabliert. Ein Danke an dich, großer Tyr, für diese wahrhaftige Bereicherung.
In Bremen selbst haben wir direkt Sprecher Shalescar aufgesucht, um ihn von den Dingen zu berichten. Er konnte es mehr und mehr nicht fassen. Diese Intrige, die in seinem Rücken gesponnen wurde... aber wieso, fragte er sich. Wir öffneten die falsche Schatuelle (die sich glücklicherweise mit genau dem Schlüssel aus dem Lager öffnen ließ) und fanden ein Schriftstück mit einer ähnlichen Öse wie die Karte. Nur war an dem Schreiben ein Lederband dran. Nach kurzer Überlegeung fanden wir raus, dass das Schriftstück und die Karte über die beiden Ösen miteinander verbunden werden konnten. In dem Schreiben selbst gab es nur zwei Zeilen mit entsprechenden Zahlen und Buchstaben. Jeder von uns konnte ein wenig das Puzzle lösen und so fanden wir raus, dass in gut einer Woche an 3 Tagen eine Lieferung auf dem Maer Dualdon, südöstlich an der Küste abgeholt werden sollte!
Shalescar war fassungslos. Er bat uns erneut um Hilfe und trug uns auf nach Targos zu reisen und herauszufinden, ob es ein solches Schiff geben könnte und wenn ja, ob es gerade ankert oder schon ausgelaufen ist. Sollte es ausgelaufen sein, ist auch die Frage wohin und ebenfalls interessant wäre, ob die Fischergilde in diesem Komplott involviert ist.
Unser nächstes Ziel ist klar: Targos! Korrgrim erkannte schnell, dass es auffällig sein könnte, wenn wir uns erneut dort blicken lassen. Allerdings ist dies Teil unserer Mission und darüber hinaus noch etwas mehr: wir besuchen Freunde und suchen nach Weiteren davon. Mögen uns die Götter in dieser sich verdunkelnden Zeit beistehen und führen!