Marthammor Duin lehrt uns, Reisen zu genießen und nach einem langen, anstrengenden Reisetag die Ruhe eines friedlichen Nachtlagers unter freiem Himmel sowie die Entspannung von der Mühsaal der Reise am Lagerfeuer zu suchen.
Soweit die Theorie.
In dieser Nacht, wurde kaum etwas hiervon Wirklichkeit:
Zunächst schrie Baris vor Schmerz die Nacht zusammen. Was auf den ersten Blick, wie ein "normaler" Fall von "Rücken" wirkte, erwies sich bei genauerem Hinsehen, als Mysterium. Denn auf dem Rücken des Halblings zeichnete sich auf (beschwörungs-)magische Weise ein unheimliches Tattoo ab, welches offenkundig Schmerzen verursachte, als würde es gerade von einem unsichtbaren Goblin gestochen werden. Die Tatsache, dass das Tattoo nach Baris Angaben Symbole seines Gottes Brandobaris darstellte, ließ die Goblin-Theorie dann jedoch glücklicherweise unwahrscheinlich erscheinen. Somit war klar: Baris musste ertragen, was sein Gott ihm da gerade Seltsames auferlegte ... und wir alle musste abwarten, was das für uns bedeutete ...
Als wir die Wachen einteilten und die übrigen ihre müden Knochen ausstreckten, dachten wir, endlich zur Ruhe kommen zu können.
Falsch gedacht!
Ohne Vorwarnung prügelten plötzlich im Schlaf eine Horde Goblins auf uns ein (Baris, der Wache hatte, muss von der Geißelung seines Rückens zu sehr abgelenkt gewesen sein, um uns vorher warnen zu können). Am schlimmsten erwischte es Prinzessin Kataja, die von den Schweinsgesichtern fast tot geprügelt wurde. Als wir erst einmal richtig wach waren, machten wir dem grünhäutigen Spuk (insbesondere Dank den Feuerbällen von Magnus und den Blitzen Marthammor Duins) dann jedoch schnell ein Ende. Und dem gebenedeiten Orthum genügte eine einzige Berührung, um die Prinzessin ein weiteres Mal zu retten und vom nahen Tod wieder in die Mitte der Lebenden zurück zu befördern. Seine Kräfte mögen weniger öffentlichkeitswirksam sein, als die von Magnus und mir, gleichwohl denke ich manchmal (zuletzt, als er Shemni ins Leben zurück geholt hat), dass seine Fähigkeiten die Mächtigsten sind ...
Eine erlebnisreiche Nacht ... war noch immer nicht zu Ende!
Himmel, Arsch und Zwirn, bekommt man hier denn nie seine Ruhe???
Ich kam mir vor, wie damals in der Grundausbildung ..., nur dass die heranstürmenden Monster dieser Nacht sanftmütiger und hübscher waren, als mein Ausbilder seinerzeit ...
Während der Wacht von Orthum und mir, traute ich meinen Augen nicht, als ich - zum Glück dieses Mal rechtzeitig - einen Oger und rund 40 seltsam aussehende Orks (graue Haut, blaue Augen) aus der Dunkelheit heranstürmen sah. Zwar waren sie zahlenmäßig weit überlegen, da ich jedoch dieses Mal alle meine Waffenbrüder und -schwestern rechtzeitig warnen konnte und wir eine Kampfreihe bilden konnten, gestaltete sich die Schlacht dieses Mal deutlich erfreulicher: Wir alle metzelten uns durch die Schwarzpelz-Horde, die den taktischen Fehler beging, viel zu nah bei einander zu stehen, so dass das kleine Heer durch 2 gezielte Feuerbälle von Magnus zu einer - schon fast schon bedauernswerten - erbärmlichen kleinen Bande zusammenschrumpfte.
Eine Flucht der beiden letztendlich noch Verbliebenen ließen wir dieses Mal nicht zu. Als wir sie stellten, machte der ungezogene Oger auf Aufforderung von Mylady keinerlei Anstalten, sich zu ergeben. Schlimmer noch: Er versuchte seinen aufgabewilligen Ork-Kumpanen zu zerquetschen, damit wir von diesem nichts erfahren. Mit vereinten Kräften trachteten wir dies zu verhindern, als letztendlich mir die Ehre zukam, das Axtblatt von "Sturmbrecher" heranspringend tief in seinen Riesenschädel zu versenken und dem Ungetüm so den Gar auszumachen. Was für ein Gemetzel, bei Marthammor Duin!!!
Der Gefangen genommene Ork gab sich keinen naiven Illusionen sein Schicksal betreffend hin. Er erwies sich als ungewöhnlich intelligent und verschlagen für seine Art. Dies mochte daran liegen, dass er - wie seine gefallenen Kumpanen - einer besonderen Sorte von Orks angehörte: dem sog. "Stamm des ewigen Eises" aus dem hohen Norden. Das Verhör ergab, dass er einen weiten Marsch hinter sich hatte und gekommen war, um die Welt von den Reichen der Menschen und Elfen, aber - weitaus schlimmer als dies - auch von denen der Zwerge zu "befreien". Ähnlich wie früher schon einmal der Talos-Akolyth, so war auch er davon überzeugt, dass unsere Götter untergehen würden ... und wir letztendlich mit ihnen. Gegenüber Talos brachte er Geringschätzung zum Ausdruck, den Namen seines Gottes hingegen, wollte er uns nicht verraten. Er verriet uns jedoch, dass er sich für seinen treuen Dienst erwartete, dass sein Gott ihn "auferstehen" lässt (was dafür sprechen könnte, dass sein Gott Untote in seinem Heer haben könnte). Dieser Glaube provozierte den Zorn meiner Gefährten, die vor dem Gefangenen lange hin und her diskutierten, ob sie ihn in der Wildnis anpfählen oder sofort direkt töten sollten?
Der Ork favorisierte offensichtlich Letzteres (wahrscheinlich hat sein Gott mehr Respekt vor niedergestreckten Kriegern, als vor festgefrorenen Zwangs-Nudisten). Deshalb provozierte er meine Gefährten so lange, bis sie ihre schon getroffene Entscheidung, ihn "auszusetzen", widerriefen und ihn abschlachteten. Mir war dies im Ergebnis einerlei ..., nur ihr unwürdiges Diskutieren und ihr Zuschaustellen von Unentschlossenheit vor dem Feind war mir - um der Wahrheit die Ehre zu geben - peinlich. Aber angesichts ihrer offenkundigen Vorzüge in der Schlacht, beschloss ich, über derartige Unzulänglichkeiten hinwegzusehen. Oder wie mein ehemaliger Kommandant so schön sagte: "Einer Meute von treuen Höllenhunden muss man ab und zu auch mal ein gutes Stück "Frischfleisch" zugestehen ..."
Nach der Schlacht sammelten wir von den (nicht-verbrannten) Feinden Winterschuhe und Spikes ein, um für den Schnee gerüstet zu sein. Conalt berichtete, die Orks müssten aus dem Eiswindtal stammen. Dort hätte ihre Art die Eisenfels-Festung überrannt, bevor sie verschwunden seien (um hier wieder aufzutauchen?). Bei den Leichen der Orks fanden wir Tätowierungen im Bauchraum (die unterschiedliche Kreaturen darstellen), sowie einen Clanring, auf dem etwas in einer unbekannten Sprache eingraviert war. Wir nahmen einen der Ringe mit, um die Zeichen später entschlüsseln zu lassen.
Auf dem Weg nach Phandalin am nächsten Morgen nahmen wir (unausgeschlafen) die Straße. Auf dem Weg bemerkten wir, dass wir den kommenden bzw. den nahen Schnee bereits regelrecht riechen können. Der Winter kam!
Als wir Phandalin erreichten, bezogen wir respektvoll Quartier in einem der nördlichen Häuser, wo Zivilisten gewohnt haben müssen. Wir beschlossen, im Kamin ein wärmendes Feuer zu machen und Baris kochte ein leckeres, warmes Süppchen, damit wir etwas Warmes in den Bauch bekommen. Wir verdunkelten die Fenster mit Fensterläden, waren uns aber der Rauchsäule unseres Kaminfeuers bewusst. Der Wärme den Vorzug vor Vorsicht gebend, stellten wir Wachen im Obergeschoss auf und harrten der Dinge die da kamen ... und uns vielleicht ein abermals unruhiges Lager verhießen ...