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Autor Thema: Die Wölfe von Connyberry  (Gelesen 1373 mal)

Offline Sebastian

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Die Wölfe von Connyberry
« am: 18. April 2021, 20:44:34 »

Unsere Reise mit Raskin führte uns zunächst auf den Drei-Eber-Pfad und dann ihn entlang nach Nordosten in Richtung Connyberry. Zunächst ging es gut voran und selbst das erste Nachtlager bleibt entgegen aller Befürchtungen ereignislos.

Am nächsten Tag jedoch gerieten wir in einen Hinterhalt von 3 Wölfen, der in vielfacher Weise höchst ungewöhnlich war:
-   Die Wölfe waren sehr groß und schwer (selbst zu zweit gelang es uns nur schwer, sie zu bewegen)

-   Sie waren außergewöhnlich diszipliniert und intelligent. So kommunizierten sie z.B. durch Heulen mit weit entfernten Artgenossen (die sie nach dem Kampf zu riefen, ohne eine Antwort zu erhalten), griffen gleichzeitig und koordiniert erst dann an, als wir in Reichweite waren und verbargen sich taktisch klug im Gras, um unseren Fernkampfangriffen zu entgehen.

-   Wir fanden nach dem Kampf an den Kadavern Brandzeichen und identifizierten sie als gezüchtete Jagdwölfe. Die Brandzeichen wurden den Tieren mit deutlich größerer Hitze verpasst, als man es gewöhnlich mit einem Brandeisen zu tun vermag. Reela erkannte, dass die Brandzeichen das gleiche Symbol darstellten, welches die Untoten getragen haben, die in Kindheitstagen über ihre Heimat Donnerbach hergefallen sind. Leider konnte sie sich nicht mehr erinnern, was man ihr seinerzeit über das Zeichen gesagt hatte.

-   Ich fand bei allen drei Wölfen eine (schwindende) magische Aura aus dem Bereich der Nekromantie. Die Magie leuchtete bei meiner Untersuchung in einem so intensiven Blau, dass die Magie von ungeheurer Macht gewesen sein muss. Die Brandzeichen (die scheinbar Runen darstellten, die ich nicht kannte) konnte ich als Eintrittspunkt der Magie identifizieren.

-   Reela bemerkte beim Fortschaffen der Kadaver, dass diese einen fauligen Geruch hatten, der merkwürdig schnell (zu schnell für eine normale Verwesung) eingetreten war. Das Blut der Wölfe war besonders dunkel und abgestanden. Waren die Wölfe also untot gewesen? Vielleicht so untot, wie der Ork, von dem der verhörte Goblin uns berichtet hatte? Hatten sie uns vielleicht in seinem Auftrag angegriffen? Und wer war der Nekromant, der hinter all dem stand?
Mein ungestümer Bruder Orthum und die liebreizende Lady Ellenora wurden von den Wölfen verletzt, aber wir obsiegten letztendlich. Den Kreaturen wurden die Köpfe abgeschlagen und die Brandzeichen wurden ihnen rausgeschnitten, um sie zu verbrennen, damit die Monster nicht wieder auferstehen konnten.

Am Rande des Konflikts entstand ein Wortgefecht zwischen Raskin, der wohl Kritik an unserem Vorgehen bei der Anbahnung des Kampfes äußerte, und Baris, der dafür kein Verständnis zeigte und sich eine bewusste Respektlosigkeit leistete. Ich war im Kampf zu beschäftigt, um dererlei Dinge Aufmerksamkeit zu schenken, aber Lady Elleonora und Reelana schwörten später Stein und Bein, dass Raskin Baris für einen kurzen Moment derart böse angeguckt habe; als sei eine Maske von ihm abgefallen; mit der er bisher eine große Macht vor uns verborgen hatte. Die beiden Damen drängten darauf, auf Baris zukünftig gut aufzupassen, weil wir um sein Leben fürchten müssten. Richtig ist, dass wir wenig über Raskin wissen. Richtig ist aber auch, dass Frauen zuweilen zu melodramatischen Anwandlungen neigen können, von daher war es schwer zu sagen, was an ihren Befürchtungen tatsächlich dran war? Die Tatsache, dass sie es aber beide - unabhängig voneinander – mit absoluter Bestimmtheit zu ihrer jeweiligen Einschätzung gekommen waren, alarmierte mich und ließ mich ihre Warnung ernst nehmen.

Wir erreichten Connyberry ohne weitere Zwischenfälle. Die Stadt soll früher ein „Zwischenort“ für den Handel gewesen sein, bevor vor langer Zeit Barbaren über den Ort hergefallen sind und die Bevölkerung abgeschlachtet hatten. Man hatte uns angekündigt eine „Ruinenstadt“ vorzufinden, aber wer nur noch Reste von Grundmauern vorzufinden geglaubt hatte, sah sich getäuscht. Die Gebäude standen noch und wiesen lediglich vereinzelte Schäden auf. Während die Häuser keine Brandschäden aufzuwiesen schienen, war die Vegetation der Umgebung typisch für einen Ort, an dem vor langer Zeit eine Brandrodung stattgefunden hat, was mir merkwürdig erscheint.

Die Nacht brach herein und so beschlossen wir, im ersten Haus der Stadt unser Lager aufzuschlagen und die Außentüren notdürftig in Stand zu setzen. Des Nachts brachen Wölfe durch die Türen und fielen über uns her. Mir gelang es, eine strategisch günstige Position im Türrahmen der Außentür einzunehmen und den Einfall der drei Kreaturen draußen so zu verhindern. Im Raum neben meinem kämpften die Damen ebenfalls gegen 3 Wölfe (war es Zufall, dass die „2.Welle“ des Feindes doppelt so viel Wölfe umfasste, als die Erste? Falls nein, so hoffe ich, dass es in dieser Frequenz nicht weiter geht). Der Kampf war hart, doch wir überstanden ihn, wenn auch mit deutlichen Blessuren. Eine Untersuchung der Kadaver offenbarte, dass die Wölfe von der gleichen Art waren und die gleichen Brandzeichen hatten, wie diejenigen vom Drei-Eber-Pfad. Nach der Schlacht hörten wir in der Ferne einen kräftigen, triefen Wolfsruf und kurz darauf noch einen. Man musste kein Prophet sein, um zu ahnen, dass der nächste Wolfsangriff nicht lange auf sich warten lassen würde.

In der Nacht finde ich in Connyberry noch 3 Pferde auf einer Koppel. Als Lady Ellenora die Tiere am nächsten Tag in Augenschein nimmt und eines von ihnen reitet, fällt ihr auf, dass es sich um schöne, schwarze Reitpferde handelt (nur eines davon gesattelt mit Zaumzeug), die sehr kräftig und antrittsstark waren und das Brandzeichen „BAK“ trugen. Wir vermuteten, dass sie zu der Ranch des ehemaligen Sherriffs gehören, der Teil eines unserer Aufträge war (zumal dessen Ranch nur 8 km von Connyberry entfernt war). Die Besitzer der Pferde waren nirgends zu sehen. Die Pferde hätten die beschädigte Koppel offensichtlich jederzeit verlassen können, waren aber wohl von einem Wassertrog hierher angelockt (und wohl eher nicht hier abgestellt) worden.

 
"There is not always a silver lining behind dark and stormy clouds. Sometimes the things behind are much worse."